преса

Автор: Гаврилів Тимофій
Видання: Die PRESSE (Австрія)

Gier und Neid des KGB-Despoten

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1570481/Gier-und-Neid-des-KGBDespoten
5.03.2014

Die Ukrainer gingen für die Demokratie und ein Leben in Würde auf die Straße. Dafür will Putin sie nun bestrafen.

von Tymofiy Havryliv (Die Presse)

Die Ukraine hat das Unglück, ein unmittelbarer Nachbar Russlands zu sein. Die gemeinsame Geschichte scheint die Ukraine und Russland mehr zu trennen als zu verbinden. Leonid Kutschma, der zweite Präsident der unabhängigen Ukraine, hat sogar ein dickes Buch verfasst, um seinem russischen Kollegen zu erklären: „Die Ukraine ist kein Russland.“ Vergeblich. Putin denkt anders. Das genügt. Dass sich die Menschen in der Ukraine noch dazu getraut haben, für Demokratie, für ein Leben in Würde, für Menschenrechte auf die Straße zu gehen, dafür will Wladimir Putin die Ukraine nun bestrafen.

Putin braucht ein Bild mit russischen Fahnen im Osten und im Süden der Ukraine. Er will dies dem Westen und seinen Bürgern medial verkaufen, um die Invasion in die Ukraine zu rechtfertigen. Aber selbst auf der Krim findet er keine Unterstützung in der Bevölkerung. Ein vom Kreml inszenierter Umsturz bedeutet noch lange nicht, dass dieser unterstützt wird.

Die Menschen auf der Krim sind schockiert und eingeschüchtert – Krimtataren, Russen, Ukrainer. „Wir wollten nicht hierher kommen. Es gab den Befehl. Wir sind doch auch Russen“, beteuern Russen aus Russland, alle in Tarnuniform ohne Abzeichen, dafür mit Kalaschnikows. „Wir sind aber Ukrainer“, antworten ihnen Russen, Krimtataren und Ukrainer aus Simferopol, Feodosia und Balaklava.

Eine miserable Inszenierung

Putin braucht dringend weitere Bilder. Dazu bringt er Busse mit Russen aus Belgorod über die russisch-ukrainische Grenze ins ukrainische Charkiw. Auf der Krim inszeniert er das Drama „Die Verfolgung der Russen auf der Krim“. Keiner glaubt dem Bild, selbst seine Menschenrechtsberater nicht. Peinlich.

Weitere Bilder müssen folgen. Putin will den Russen in Russland zeigen, dass ethnische Russen die Ukraine massenhaft in Richtung Russland verlassen – sie seien auf der Flucht vor ukrainischen Nationalisten. Nur stellt es sich heraus, dass die betreffenden Bilder von einem Grenzpunkt zwischen der Ukraine und Polen stammen. Noch peinlicher. Ein miserables Theater, das der Region, der Halbinsel Krim und der Ukraine insgesamt Frieden und Entwicklung kosten kann. Im besten Fall – eine jahrzehntelange Stagnation, wo doch bald der Sommer kommt, Tourismus-Hochsaison auf der Krim: das, wovon die meisten auf der Halbinsel leben.


Der Blitzkrieg stockt

Putins Blitzkrieg ist ins Stocken geraten. Die Weltgemeinschaft will die russische Aggression gegen die Ukraine nicht hinnehmen. Die Ukrainer verhalten sich zurückhaltend und lassen sich nicht provozieren. Die ukrainischen Bürger im Süden und Osten des Landes sind zu Zehntausenden auf die Straßen gegangen, um gegen Putin zu demonstrieren. Auf Russisch, Ukrainisch und Englisch. Vorwiegend jedoch auf Russisch. In Odessa fand am Sonntag eine derartige Massenkundgebung statt, wie sie Odessa noch nie gesehen hatte.

Was Putin will? Die Ukraine dem Westen zu entreißen und in sein Reich zurückholen. Putin ist besessen von der Idee der Restauration der UdSSR. Sollte ihm dies nicht gelingen, würde ihm Chaos und wirtschaftliche Misere beim Nachbarn durchaus genügen.

Gier und Neid eines alternden KGB-Despoten, der die Vorstellung nicht verkraften kann, dass es ein ostslawisches Land vor seiner Nase gibt, in dem Menschen in Würde leben und selbst entscheiden wollen, wie sie Land und Leben gestalten; in der eine moderne politische Nation im Entstehen ist; in der sich ethnische Russen besser aufgehoben fühlen als in Russland. „Ich bin ethnischer Russe“, wendet sich der im Westen gut bekannte ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow via Facebook an Putin, „ich brauche Ihren Schutz nicht!“

Tymofiy Havryliv (* 1971 in Iwano-Frankiwsk) studierte Germanistik, Literaturwissenschaft und Philosophie in Lviv. Er ist Schriftsteller, Übersetzer und Blogger, schreibt Lyrik, Erzählungen, Essays, Romane. Auf Deutsch erschienen ist sein Roman „Wo ist dein Haus, Odysseus?“, Ammann Verlag, Zürich 2009.


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